Die meterhohen blauen Becken türmen sich im Raum. Es blubbert und rauscht. Lange Rohre und Kabel verlaufen kreuz und quer durch die alte Scheune. Ein feiner Geruch von Fisch liegt in der Luft. Über eine Treppe geht’s hoch auf die Plattform. Das rötlich gefärbte Wasser in den Becken dreht sich in einem feinen Wirbel. Die Oberfläche ist ruhig – bis Markus Fischer eine Handvoll Futter hineinwirft. Im Nu wird das stille Wasser zum brodelnden Wellenbad. Die grossen Lachse tauchen auf, schnappen nach dem Futter und schlagen mit den silbrigen Schwanzflossen aufs Wasser. Es spritzt. Ab und zu springt einer hoch. Nach einer Minute ist der Spuk vorbei. Die Fische tauchen ab und ziehen wieder ruhig ihre Bahnen. Der Züchter spricht leise zu ihnen, wenn er zwischen den Becken durchläuft: «Sie kennen mich und sind zutraulicher, wenn sie meine Stimme hören.»
Acht der grossen Tanks stehen im früheren Stall. Sie sehen aus wie überdimensionierte Obstfässer und fassen je 16 500 Liter. In jedem schwimmen etwa 1000 grosse Fische, aus denen später Lachsfilet werden. Dass der Besitzer der Fischzuchtanlage Fischer heisst, ist mehr als ein lustiges Wortspiel. Er hört es immer mal wieder, stören tut es ihn nicht. Die Namensherkunft ist historisch belegt. Aus Schriftarchiven weiss Markus Fischer, dass seine mittelalterlichen Vorfahren am Soppensee lebten und dort Fischfang betrieben.
Seither sind einige hundert Jahre vergangen. Aus dem Fischer wurde ein Bauer. 2012 kam diesem die Idee, wieder auf Fische zu setzen. Das war ganz im Sinne der Behörden. Ein Förderprojekt im Kanton Luzern wollte damals Landwirte motivieren, Fische zu züchten statt Schweine zu mästen. Weniger Nährstoffe, Gestank und eine bessere Ökobilanz – das tönte nach einem sinnvollen Umstieg. Dass der Bau einer solchen Anlage sehr komplex ist und viel Durchhaltewillen erfordert, mussten dann zahlreiche Interessierte erfahren. Auch Bauer Markus Fischer und seine Frau Cécile pröpelten viel, bis ihre Idee erfolgreich funktionierte.
Die Zucht erfolgt in einem geschlossenen, aufwändigen Kreislaufsystem. Benötigt wird nur eine kleine Menge an Frisch-wasser aus eigener Quelle. 95 Prozent des Wassers werden in einer Mini-Kläranlage gefiltert und wieder verwendet. Zuerst wird dabei der Fisch-Kot entnommen und später als Dünger auf die Felder ausgebracht. Weiter fliesst das Wasser durch mechanische Filter, danach in zwei Becken mit Mikrobakterien. Sie wandeln das fischgiftige Ammonium in Nitrit und anschliessend in Nitrat um. Bevor das Wasser nach diesen Vorgängen wieder den Fischen zugeführt wird, reichert es eine Anlage mit Sauerstoff an. Die Systeme laufen mit Strom einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach.
Mit den zahlreichen Röhren sieht es aus wie im Untergrund eines Schwimmbades. Doch chemische Mittel fehlen gänzlich. Die ganze Wasseraufbereitung erfolgt über natürliche Prozesse. Hinter dem ausgeklügelten Kreislauf steckt jahrelange Tüftelei und viel Ausdauer. Ganze neun Jahre dauerte es von der Idee bis zur Inbetriebnahme. Markus Fischer sagt dazu: «Wäre es einfach, würde es ja jeder machen.»
Der 59-Jährige hat sich viel Wissen autodidaktisch erarbeitet. Und die ganze Anlage nach seinen Vorstellungen geplant. «Ich habe verschiedene Offerten eingeholt, doch es passte nie.» So bestellte er die grossen Tanks und Leitungen als Einzelteile und entwickelte den Kreislauf selber. Es gebe auf dem Gebiet in der Schweiz nur wenige Experten. Können diese bei einem Problem nicht weiterhelfen, holt sich Fischer auch mal mittels künstlicher Intelligenz Rat. «Es ist erstaunlich, wie viel mir KI schon helfen konnte, wenn ich nicht weiterwusste.»