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Ruswil
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Die Ruswiler und ihr Gemeindehaus

Geschichte «Ein neues Gemeindehaus für die nächsten 100 Jahre» titelte der Ruswiler Gemeinderat jüngst in seiner Publireportage im «Anzeiger vom Rottal». Er schlägt damit ein neues Kapitel in der Geschichte der Ruswiler Verwaltungsgebäude auf. Während die jüngsten Gemeindehaus-Episoden noch in wacher Erinnerung sind, ist die ältere Kanzleigeschichte bereits etwas verblasst.

Werner Wandeler
02. Juni 2026
Das Josefsheim vor dem Umbau zum Gemeindehaus. Foto Gemeindearchiv
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Das Josefsheim vor dem Umbau zum Gemeindehaus. Foto Gemeindearchiv

Als 1799 die Munizipalräte von Ruswil – die ersten demokratisch gewählten Gemeinderäte der Gemeinde – ihre Arbeit aufnahmen, drehten sich ihre Sorgen nicht um ein Verwaltungsgebäude, sondern es trieben sie ganz andere Bedürfnisse um. So schrieb der Präsident Sebastian Schmidli an die helvetische Behörde nach Luzern, dass mit der miesen Entlöhnung nicht einmal das Essen und das benötigte Papier bezahlt werden könne. Ein Gemeindehaus war auch kein Thema, weil die politische Gemeinde im ersten Jahrhundert ihres Bestehens über keinen Verwaltungsapparat verfügte. Die gewählten Gemeinderäte hatten die anfallenden administrativen Aufgaben selber zu erledigen. Einzige Verwaltungshilfe war über all die Jahrzehnte der Gemeindeschreiber, der sich seine Arbeit – im Wesentlichen das Ausstellen von amtlichen Dokumenten – im Sportelsystem (Gebühren nach Aufwand) entlöhnen liess.

 

Mehr Gesetze – mehr Aufgaben

Wo der Ruswiler Gemeinderat im 19. Jahrhundert seine Sitzungen anberaumte, verschweigt er meistens im Gemeinderatsprotokoll. Dokumentiert sind einzelne Beratungen in Gasthäusern. Es ist anzunehmen, dass er neben Wirtshäusern auch Schulhausräumlichkeiten in Anspruch nahm. Also möglicherweise das erste bekannte Schulhaus südlich der Kirchenstiege und nach dessen Brand das im Jahre 1827 erbaute Dorfschulhaus an der Schwerzistrasse. Offenbar lag dem Gemeinderat nicht viel am alten Amts-, Rats- und Gerichtshaus im Dorf, das er schon in den 1820er-Jahren veräusserte.

Ab dem 20. Jahrhundert erhöhte sich der Verwaltungsaufwand der Gemeinden kontinuierlich. Die Gemeinden erhielten neue Aufgaben im Zivilstandswesen, im Bauwesen, in der Raumplanung, in der Sozialhilfe etc., was auch spezialisierte Fachkräfte erforderte. Die immer stärkere Regulierung vermehrte den administrativen Aufwand, die Kontrolle und die Dokumentation. Nicht zuletzt trug auch die Zunahme der Bevölkerung zu einer Zunahme des Verwaltungsaufwandes bei. Die Folge war sukzessive zunehmender Raumbedarf.

 

Die Kanzlei im Schulhaus

Erst mit dem Bau des imposanten Dorfschulhauses im Jahre 1913 leistete sich die Gemeinde die ersten offiziellen Räumlichkeiten für ihre Exekutive und ihre Verwaltung. Am 7. Januar 1912 hatte die Gemeindeversammlung (vormittags, nach dem Hauptgottesdienst in der Pfarrkirche) beschlossen, das neue Schulhaus auf der Pfarrpfrundmatte zu erbauen. Im Antrag der Schulhausbaukommission an die Gemeindeversammlung war im Raumprogramm eine Turnhalle vorgesehen, die zusätzlich als Gemeindeversammlungslokal dienen sollte. Die Kanzlei fand im Ostflügel mit einem separaten Eingang Platz. Sie bestand aus zwei Kanzleizimmern, einem Sitzungszimmer, einem Archiv- und einem Warteraum und sollte über 40 Jahre ihren Zweck erfüllen. Der Generalanzeiger für den Kanton Luzern (Vorgänger des Anzeigers vom Rottal) sprach in seinem Einweihungsbericht stolz vom neuen «Schul- und Gemeindehaus». Die erste Gemeindeversammlung in der Turnhalle fand am Sonntag, 25. Jänner 1914 (11.30 Uhr) statt. Ein historischer Anlass, waren doch die öffentlichen Zusammenkünfte, Gemeindeversammlungen, Wahl- und Abstimmungsgeschäfte zuvor in der Pfarrkirche durchgeführt worden.

Mehr dazu erfahren Sie in der gedruckten Ausgabe am Mittwoch, 03. Juni 2026.
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