Marie «Miggi» Suppiger ist skeptisch. Sie sei nicht interessant genug für die Zeitung, fürchtet sie. Dennoch darf die Frau von der Zeitung am Stubentisch Platz nehmen. Auch die Schwiegertochter sitzt dazu. Seit Miggis Ehemann Toni gestorben ist, lebt Miggi Suppiger allein in der grossen Wohnung. Nie hätte sie gedacht, dass sie zehn Jahre später immer noch da sein wird – nun 98-jährig.
Vier Generationen wohnen unter einem Dach. Neben Miggi Suppiger auch Sohn Beat und seine Frau Siss, Enkeltochter Nicole mit Ehemann Dani und zwei der Urgrosskinder, Nando und Miley. Früher seien die Urgrosskinder häufig bei ihr vorbeigekommen. Die hätten genau gewusst, wo die Guetzlibüchse stehe.
Die Besuche sind etwas weniger geworden. Die beiden sind gross geworden und kommen bald in die Lehre. «Ech daff ned jommere», sagt sie. Wenn sie die Familie nicht hätte, müsste sie ins Heim, ist Miggi Suppiger überzeugt. Eigentlich habe sie es hier wie in den Ferien, sagt sie. Denn für das Mittagessen ist sie entweder bei der Schwiegertochter oder Enkelin eingeladen. Das Morgen- und Nachtessen macht sie selbst. Nach dem Aufstehen kurz vor acht schaltet sie das Radio an. Dieses läuft den ganzen Tag. Am liebsten hört sie die Musik der Musikwelle. Am Morgen rätselt sie gerne mit bei «Morgenstund hat Gold im Mund». Lesen geht nur noch mit Lupe. Auch das Gehör ist nicht mehr das Beste. «Ech ha baud alli Laschter», sagt die betagte Dame. Am 20. Januar wird sie 99. «Plötzlech esch mer aut», sinniert sie. Lieber würde sie nicht 100 Jahre alt werden. Aber das könne man ja nicht wählen. «Es chonnt eh wies chonnt.»